Küche

Die Küche eines Landhauses bleibt an keinem Tag kalt, denn alle Bewohner:innen wollen angemessen versorgt werden. Doch was bekommen Herrschaften und Bedienstete aufgetischt und woher stammen die verwendeten Lebensmittel?

1780 – 1830

Die Qual der Wahl

Erlesene Lebensmittel von Nah und Fern

Trinken Sie lieber Kaffee aus Amerika oder aus Asien? Diese Frage haben sich auch die Herrschaften um 1800 gestellt. Woher der Kaffee und andere Lebensmittel kamen und wer im Landhaus überhaupt in den Genuss von Kaffee kam, erzählt Ihnen Frau Dr. Overkamp in diesem Video.

1880 – 1930

Unser täglich Brot

Speiseregeln im Landhaus

Auch um 1900 liebten Landhausbesitzer:innen feines Essen. Doch für die alltäglichen Mahlzeiten begnügten sie sich damit, was der Garten hergab und was sie lokal einkaufen konnten. Trotzdem strapazierte die Verpflegung die Haushaltskasse. Denn die Küche musste neben der herrschaftlichen Familie viele Bedienstete dreimal täglich – jeden Tag – satt machen. Dafür gab es auf manchen Häusern eine ‚Hausregel‘, die besagte, wer zu welcher Zeit, an welchem Ort, welches Essen bekam. Aber jeder und jede im Landhaus konnte sich darauf verlassen, genug für den Tag zu erhalten – manchmal sogar eine Extrawurst…

Auch auf Schloss Schellenberg gab es klare Bestimmungen. Wie Sie selbst in den Auszügen dieser Hausregel lesen können, aßen auf Schloss Schellenberg nicht alle im Haus das Gleiche.
(Auszüge: Archiv Schloss Kalbeck, 5108.)

1945 – 1990

Käsesalat für den Bundeskanzler

Schlichtes Essen als herrschaftlicher Trend

Auch nach dem Zweiten Weltkrieg tafelten die Herrschaften in Landhäusern gelegentlich noch ausgesprochen üppig. Dies galt insbesondere für große Familienfeste. Daneben bemühten sie sich um betont schlichte Mahlzeiten. Dies sparte den Herrschaften einerseits ordentlich Geld und andererseits konnten sich damit bewusst volksnah zeigen. Die Forschung bezeichnet dies als einen ‘Kult der Kargheit’. So aßen Nikolaus, Jörg und Michaela Grafen von Adelmann zwischen 1950 und 1970 regelmäßig Brotsuppe mit Speck – ein typisches günstiges Gericht für ärmere Leute. Bundeskanzler Konrad Adenauer bekam beim Besuch im Schloss der Grafen Adelmann in Hohenstadt einen Käsesalat kredenzt – kein besonders ausgefallenes Essen im Jahr 1959. Sein Außenminister Heinrich von Brentano hatte mehr Glück: Er verzehrte nur wenige Monate vor Adenauer am selben Ort geschmortes Kalb „Bajazzo“ mit Whisky in der Soße. Diese Essen bereiteten in Hohenstadt noch die Köchinnen vor.Im Gegensatz dazu musste in manch anderem Landhaus nach 1945 die Hausherrin irgendwann selbst an den Herd.

Möchten Sie das geschmorte Kalb nachkochen, wie es damals Heinrich von Brentano serviert wurde?

Möchten Sie das geschmorte Kalb nachkochen, wie es damals Heinrich von Brentano serviert wurde?

Perspektiven

Tagelöhner

1800

Haushälterin

1910

Besitzerin

1970

Frische Erdbeeren für die Herrschaft!

Johann Störrle, Tagelöhner

Gestern haben wir die Kinder in den Wald geschickt zum Walderdbeeren suchen. Die ein oder andere haben sie zwar selbst genascht, aber sie haben trotzdem ein Eimerchen heimgebracht. Meine Frau hätte die gerne selbst verzehrt, aber ich weiß, dass der Herr Erdbeeren liebt. Und die Köchin hat sie mir in der Tat für ein paar Kreuzer abgekauft. Jetzt ist das Geld für das neue Paar Schuhe bald zusammen!

Gutes Essen kocht sich nicht von allein

Gertrude Löffelholz, Haushälterin

Können Sie sich vorstellen, was das tagtäglich für ein Aufwand ist? Zwei Küchen haben wir hier – eine für die Herrschaft und eine für die Bediensteten. Zwei Köchinnen und ein Chefkoch. Dann die drei Küchenmädchen und die Lehrköchin kommt ja auch noch hinzu. Am schönsten ist es ja, wenn die Herrschaft auf Reisen ist. Warum? Na, die Küche bleibt ja hier – und der Chefkoch auch, der muss dann die Reste verarbeiten und wir dürfen sie essen.

Beim Fest essen wie in alten Zeiten…

Ursula von Klagenfeld, Besitzerin

Morgen feiern mein Mann und ich unsere Goldene Hochzeit und die ganze Familie reist schon heute an. Da wird das Haus noch einmal voller Leben sein – allein wenn ich an meine vielen Enkel und die beiden Urenkel denke! So viele Lebensmittel lagern in der Küche… Gut, dass der Koch aus dem Dorf hochkommt, bei so vielen Gängen habe ich schon längst den Überblick verloren. Ich denke aber für heute Abend reicht ein würziger Fleischsalat mit Brot, den haben unsere Kinder immer gern gegessen! Da gehe ich am besten noch schnell zum Metzger…

Fazit

Bedeutungsvolle Mahlzeiten

Alle Landhausbewohner:innen konnten sich darauf verlassen, gut verpflegt zu werden – jedoch mit gewissen Abstufungen: Die Versorgung unterstrich gesellschaftliche Unterschiede, so bekamen Bedienstete einfachere Mahlzeiten aufgetischt. Doch mit der Zeit drehte sich die Symbolkraft des Essens um und die Herrschaften strebten bewusst schlichtes Essen an.

Gäste stehen vor der Tür. Gibt es bei Ihnen etwas Besonderes zum Essen? So haben die Besucher:innen abgestimmt:

Ja, natürlich. Nur das Beste für die Gäste.

Nein. Meinen Gästen serviere ich, was ich auch im Alltag esse.

Nächster Raum:
Toilette
bereits entdeckt
0%
de en Leichte Sprache